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WIELAND, Christoph Martin

Geschichte des Agathon

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…den Mercur oder Apollo reden zu hören, die Kenner (denn es waren einige zugegen, welche davor gelten konnten) bewunderten am meisten, dass er die Kunstgriffe verschmähte, wodurch die Sophisten gewohnt waren, einer schlimmen Sache die Gestalt einer guten zu geben-Keine Farben, welche durch ihren Glanz das Betrügliche, falscher oder umsonst angenommener Satze verbergen mussten; keine künstliche Austeilung des Lichts und des Schattens. Sein Ausdruck glich dem Sonnenschein, dessen lebender und fast geistiger Glanz sich den Gegenstanden mitteilt, ohne ihnen etwas von ihrer eigenen Gestalt und Farbe zu benehmen. Indessen müssen wir gestehen, dass er ein wenig grausam mit den Republiken umging. Er bewies, oder schien doch allen die ihn horten zu beweisen, dass diese Art von Gesellschaft ihren Ursprung in dem wilden Chaos der Anarchie genommen, und dass die Weisheit ihrer Gesetzgeber sich mit schwachem Erfolg bemühet hatte, Ordnung und Konsistenz in eine Verfassung zu bringen, welche ihrer Natur nach, in steter Unruh und innerlicher Garung alle Augenblicke Gefahr laufe, sich durch ihre eigene Kräfte aufzureiben, und welche des Ruhestandes so wenig fähig sei, dass eine solche Ruhe in derselben vielmehr die Folge der äussersten Verderbnis, und gleich einer Windstille auf dem Meer, der gewisse Vorbote des Sturms und Untergangs sein wurde. Er zeigte, dass die Tugend, dieses geheiligte Palladium der Freistaaten, an dessen Erhaltung ihre Gesetzgeber das ganze Gluck derselben gebunden hatten, eine Art von unsichtbaren und durch verjährten Aberglauben geheiligten Götzen sei, an denen nichts als der Name verehrt werde; dass man in diesen Staaten einen stillschweigenden Vertrag mit einander gemacht zu haben scheinen sich durch den Namen und ein gewisses Phantom von Gerechtigkeit, Mässigung, Uneigennützigkeit, Liebe des Vaterlandes und des gemeinen Besten voneinander betrugen zu lassen; und dass unter der Maske dieser politischen Heuchele.