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GRYPHIUS, Andreas


Es ist alles eitel

zu Prediger 1,2

Du siehst, wohin du siehst nur Eitelkeit auf Erden.
Was dieser heute baut, reist jener morgen ein:
Wo jetzund Städte stehn, wird eine Wiese sein
Auf der ein Schäferskind wird spielen mit den Herden:

Was jetzund prächtig blüht, soll bald zertreten werden.
Was jetzt so pocht und trotzt ist Morgen Asch und Bein
Nichts ist, das ewig sei, kein Erz, kein Marmorstein.
Jetzt lacht das Glück uns an, bald donnern die Beschwerden.

Der hohen Taten Ruhm muß wie ein Traum vergehn.
Soll denn das Spiel der Zeit, der leichte Mensch bestehn?
Ach! was ist alles dies, was wir für köstlich achten,

Als schlechte Nichtigkeit, als Schatten, Staub und Wind;
Als eine Wiesenblum, die man nicht wieder find't.
Noch will was ewig ist kein einig Mensch betrachten!


An die Welt

Mein oft bestürmtes Schiff, der grimmen Winde Spiel,

Der frechen Wellen Ball, das schier die Flut getrennet,

Das über Klipp' auf Klipp' und Schaum und Sand gerennet,

Kommt vor der zeit an' Port, den meine Seele will.

Oft, wenn uns schwarze Nacht im Mittag überfiel,

Hat der geschwinde Blitz die Segel schier verbrennet!

Wie oft hab' ich den Wind und Nord und Süd verkennet!

Wie schadhaft ist der Mast, Steu'rruder, Schwert und Kiel.

Steig aus, du müder Geist! Steig aus! Wir sind am Lande!

Was graut dir für dem Port? Jetzt wirst du aller Bande

Und Angst und herber Pein und schwerer Schmerzen los.

Ade, verfluchte Welt. Du See voll rauher Stürme:

Glück zu, mein Vaterland, das stete Ruh' im Schirme

Und Schutz und Frieden hält, du ewiglichtes Schloß!


Betrachtung der Zeit


Mein sind die Jahre nicht die mir die Zeit genommen,
Mein sind die Jahre nicht die etwa möchten kommen.
Der Augenblick ist mein und nehm' ich den in acht,
So ist der mein der Jahr und Ewigkeit gemacht.