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KELLER, Gottfried


Walpurgis

Ich fürcht' nicht Gespenster,

Keine Hexen und Fee'n,

Und lieb's, in ihre tiefen

Glühaugen zu seh'n.

Am Wald, in dem grünen

Unheimlichen See,

Da wohnet ein Nachtweib,

Das ist weiß, wie der Schnee.

Es haßt meiner Schönheit

Unschuldige Zier;

Wenn ich nächtlich vorbeigeh',

So zankt es mit mir.

Doch der Schein meiner Augen

Und das Roth von meinem Mund

Verscheuchen das Spukweib

Alsbald auf den Grund.

Jüngst, als ich im Mondschein

Am Waldwasser stand,

Fuhr sie auf ohne Schleier,

Ohne alles Gewand!

Es schwammen ihre Glieder

In der taghellen Nacht;

Der Himmel war trunken

Von der höllischen Pracht.

Aber ich hab' entblößet

Meine lebendige Brust;

Da hat sie mit Schande

Versinken gemußt!