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BLASS, Ernst


An Gladys

O du, mein holder Abendstern ...
Richard Wagner

So seltsam bin ich, der die Nacht durchgeht,
Den schwarzen Hut auf meinem Dichterhaupt.
Die Straßen komme ich entlang geweht.
Mit weichem Glücke bin ich ganz belaubt.

Es ist halb eins, das ist ja noch nicht spät...
Laternen schlummern süß und schneebestaubt.
Ach, wenn jetzt nur kein Weib an mich gerät
Mit Worten, schnöde, roh und unerlaubt!

Die Straßen komme ich entlang geweht,
Die Lichter scheinen sanft aus mir zu saugen,
Was mich vorhin noch von den Menschen trennte;

So seltsam bin ich, der die Nacht durchgeht...
Freundin, wenn ich jetzt dir begegnen könnte,
Ich bin so sanft, mit meinen blauen Augen


Nachts

Auf des Daseins geschwungener Brücke,

Gehen wir Tag für Tag unseren Gang.

Auf des Daseins geschwungener Brücke,

Sind wir begleitet von langsamem Sang.

Wolken sind oben und Wellen sind unten.

Sterne brennen in endloser Zahl.

Sommer erscheinen mit ihren bunten

Dörfern und Wiesen. Die Winter sind fahl.

Menschen kommen und haben Gesichter,

Und sie reden laut und belebt.

Manche sind Freunde und manche sind Richter.

Und in der Erde ist einer und gräbt.

Auf des Daseins geschwungener Brücke,

Höre ich dann und wann so ein Lied,

Kann nicht recht vorwärts und kann nicht zurücke,

Doch ich fühle, daß alles geschieht.