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JÜRGENS, Udo


Ich war noch niemals in New York

Und nach dem Abendessen sagte er
"Laß mich noch eben Zigaretten holen geh'n".
Sie rief ihm nach: "Nimm dir die Schlüssel mit.
Ich werd' inzwischen nach der Kleinen seh'n."
Er zog die Tür zu, ging stumm hinaus ins neonhelle Treppenhaus.
Es roch nach Bohnerwachs und Spießigkeit
und auf der Treppe dachte er:
"Wie, wenn das jetzt ein Aufbruch wär'?
Ich müßte einfach geh'n
für alle Zeit!
Für alle Zeit!

Ich war noch niemals in New York.
Ich war noch niemals auf Hawaii,
ging nie durch San Francisco in zerriss'nen Jeans.

Ich war noch niemals in New York.
Ich war noch niemals richtig frei.
Einmal verrückt sein und aus allen Zwängen flieh'n."

Und als er draußen auf der Straße stand,
fiel ihm ein, daß er fast alles bei sich trug:
den Paß, die Eurochecks und etwas Geld.
Vielleicht ging heut' abend noch ein Flug.
Er könnt' ein Taxi nehmen am Eck
oder Autostop und einfach weg.
Die Sehnsucht in ihm wurde wieder wach:
noch einmal voll von Träumen sein,
sich aus der Enge hier befrei'n.
Er dachte über seinen Aufbruch nach,
seinen Aufbruch nach!

Ich war noch niemals in New York.
Ich war noch niemals auf Hawaii,
ging nie durch San Francisco in zerriss'nen Jeans.

Ich war noch niemals in New York.
Ich war noch niemals richtig frei.
Einmal verrückt sein und aus allen Zwängen flieh'n."

Dann steckte er die Zigaretten ein
und ging wie selbstverständlich heim
durchs Treppenhaus mit Bohnerwachs und Spießigkeit
Die Frau rief: "Mann, wo bleibst Du bloß?
'Dalli Dalli' geht gleich los!"
Sie fragte: "War was?"
- "Nein, was soll schon sein?"


Gib Mir Deine Angst

Du sagst, du bist frei
und meinst dabei
du bist alleine.

Du sagt, du bist stark
und meinst, du hast
noch ein paar Träume.
Jeder Blick aus deinen Augen
ist ein stummer Hilfeschrei -
mir geht es genau wie dir,
du kannst ruhig ehrlich sein.

Du sagst, dir geht's gut,
jedoch das klingt
bei dir so bitter.
Wenn ich dich berühr',
ist mir als spür'
ich, daß du zitterst.
Deine Seele ist voll Narben,
du hast Angst, sie brechen auf.
Vergrab' dich in meinem Arm,
ich schütze dich
so gut ich kann.

Gib' mir deine Angst,
ich geb' dir die Hoffnung dafür.
Gib' mir deine Nacht,
ich geb' dir den Morgen dafür.
Solang' ich dich nicht verlier',
find' ich auch einen Weg mit dir.

Schau' mir ins Gesicht,
ich suche dich
in deinem Schweigen.
Noch fällt es uns schwer,
das was wir fühlen,
auch zu glauben.


Doch ich will mit dir versinken,
bis uns beide nichts mehr trennt.
Und wenn dich die Kraft verläßt,
vertrau' auf mich
und halt' dich fest.

Gib' mir deine Angst,
…..


Gib' mir deine Angst,
ich geb' dir Gewißheit dafür.
Gib' mir deinen Traum,
ich geb' dir die Wahrheit dafür.
Solang' ich dich nicht verlier,
find' ich auch einen Weg mit dir.

Gib' mir Zuversicht,
die all meine Zweifel besiegt.
Gib' mir das Gefühl,
daß es ein Zuhaus für mich gibt.

Gib' mir deine Angst,
…..