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LOGAU, Friedrich von


Heutige Welt-Kunst

Anders sein und anders scheinen,

anders reden, anders meinen,

alles loben, alles tragen,

allen heucheln, stets behagen,

allem Winde Segel geben,

Bös' und Guten dienstbar leben,

alles Tun und alles Dichten

bloß auf eignen Nutzen richten:

wer sich dessen will befleißen,

kann politisch heuer heißen


Ein Krieges-Hund redet von sich selbst

Hunde, die das Vieh behüten,
Hunde, die am Bande wüten,

Hunde, die nach Wilde jagen,

Hunde, welche stehn und tragen,

Hunde, die zu Tische schmeicheln,

Hunde, die die Frauen streicheln:

Diese Hunde gar zusammen

Kummen nur auß faulem Stammen.

Aber ich bin von den Hunden,

Die sich in den Krieg gefunden,
Bleibe nur, wo Helden bleiben,

Wann sie Küh und Pferde treiben,

Habe Bündnüß mit den Dieben,

Trag am rauben ein Belieben,

Pflege, bin ich in Quartiren,

Gäns und Hüner zuzuführen,

Kan die schlauen Bauern suchen,

Wann sie sich ins Holtz verkruchen;

Wann sie nach den Pferden kummen,

Die mein Herr hat wo genummen,

Kan ich sie von dannen hetzen,

Daß sie Hut und Schuh versetzen,

Kan durch Schaden, kan durch Zehren

Helffen Haus und Hof verheeren.

Cavalliers, die kan ich leiden;

Bauren müssen mich vermeiden;

Bin nun drum in meinem Orden

Hunde-Cavallier geworden


Abgedankte Soldaten

Würmer im Gewissen,
Kleider wohl zerrissen,
Wohlbenarbte Leiber,
Wohlgebrauchte Weiber,
Ungewisse Kinder,
Weder Pferd noch Rinder,
Nimmer Brot im Sacke,
Nimmer Geld im Packe,
Haben mitgenommen,
Die vom Kriege kommen:
Wer denn hat die Beute
Eitel freche Leute.