Test
Download document

SEUME, Johann Gottfried


Die Gesänge

Wo man singet, laß dich ruhig nieder,
Ohne Furcht, was man im Lande glaubt;
Wo man singet wird kein Mensch beraubt:
Bösewichter haben keine Lieder.

Wenn die Seele tief in Gram und Kummer,
Ohne Freunde, stumm, verlassen, liegt,
Weckt ein Ton, der sich elastisch wiegt,
Magisch sie aus ihrem Todesschlummer.

Wer sich nicht auf Melodienwogen
Von dem Trosse des Planeten hebt
Und hinübe r zu den Geistern lebt,
Ist um seine Seligkeit betrogen

…..

Gebet
…..
Die Zwietracht schlingt mit Schlangenarmen
Die Todesfackel ohn' Erbarmen
Und würgt mit Wut in einem Augenblick,
Der göttlichen Vernunft zur Schande,
Die ganze Hoffnung ganzer Lande
Und mancher Jahre schönes Glück.

…..
Das Urverhängnis aller Dinge
Liegt weislich in dem gro ßen Ringe
Durch lange Folgen von Notwendigkeit,
Und nichts wird – wenn auch schwache Seelen
Mit Gram sich bis zur Folter quälen –
Im Schicksal anders eingereiht.

…..

Verlangtes Gutachten über Menschen und ihren Umgang
…..
Die Meinung und der Ruf vergrößern immer
Und malen optisch allemal
Den Gegenstand durch oft gebrochnen Strahl,
Das Gute besser, Böses schlimmer,
Das Dunkle dunkler, blendender den Schimmer:
Nur selten ist ein Mann, wie ihn der Ruf
Mit seiner ehrnen Stimme schuf.

…..