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WEINERT, Erich

Traum eines deutschen Soldaten

Ich hatte einen fürchterlichen Traum:

Ich war gefallen, tot. Doch fühlte ich,

Sie warfen mich in einen feuchten Raum;

Und andre Leichen rollten über mich

Es fiel nasse Erde ins Gesicht.

Dann war es totenstill. Nun war mir klar:

Es starb mein Leib, doch starb mein Denken nicht;

Und alles wusst ich, was gewesen war.

So lag und sann ich, weiss nicht mehr wie lang.

Da hört ich oben viele Schritte gehen

Und Kinderstimmen, fröhlichen Gesang.

Ach, könnt ich doch die Welt noch einmal sehn!

Da hört ich eine Stimme: Kinder, seht,

Hier wurden die Faschisten einst begraben,

Verbrecher, die das Land mit Blut besät,

Die es verwüstet und geplündert haben!

Da war's, als schöss es heiss mir ins Gesicht.

Ich wollte schrein aus meinen toten Lungen.

Ich wollte schrein: Hört doch! Ich war es nicht!

Ich bin nicht schuld: sie hatten mich gezwungen!-

Vor Schrecken wacht ich auf. Im Morgenrot

Sah ich winken drüben aus den Gräben.

Da lief ich fort vor einem Hundetod

Und lief nach dort ins ehrenhafte Leben.