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BACHMANN, Ingeborg



Das dreissigste Jahr

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August! Da waren sie, die Tage aus Eisen, die in der Schmiede zum Glühen gebracht wurden. Die Zeit dröhnte.

Die Strände waren belagert, und das Meer wälzte nicht mehr seine Wellenheere heran, sondern täuschte Erschöpfung vor, die tiefe, blaue.

Am Rost, im Sand, gebraten, geflammt: das leicht verderbliche Fleisch des Menschen.

Ihm war angst, weil der Sommer sich so verausgabte. Weil das bedeutete, dass bald der Herbst kam. Der August war voll Panik, voll Zwang, zuzugreifen und schnell zu leben.

In den Dünen liessen sich, die Frauen umarmen, hinter den Felsen, in den Kabinen, in den Autos, die unter den Pinienschatten standen; selbst in der Stadt, hinter den herabgelassenen Persianen am Nachmittag, boten sie sich im Halbschlaf an, oder sie blieben, eine Stunde später, auf dem Corso mit ihren hohen Absätzen hängen im aufgeweichte Asphalt der flautenstillen Strassen und griffen, Halt suchend, nach einem Arm, der vorüberstreifte; Kein Wort wurde in diesem Sommer gesprochen. Kein Name genannt.

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