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ANONYMUS – Guter Mond


Guter Mond, du gehst so stille


Guter Mond, du gehst so stille

Durch die Abendwolken hin.

Deines Schöpfers weiser Wille

Hieß auf jene Bahn dich zieh'n.

Leuchte freundlich jedem Müden

In das stille Kämmerlein

Und dein Schimmer gieße Frieden

Ins bedrängte Herz hinein!

Guter Mond, o gieße Frieden

In das arme Menschenherz.

Wende von dem Schmerz hienieden

Uns're Seele himmelwärts.

Mild und freundlich schaust du nieder

Von des Himmels blauem Zelt,

Und es tönen unsre Lieder

Hell hinauf zum Herrn der Welt.

Guter Mond du wandelst leise

An dem blauen Himmelszelt,

Wo dich Gott zu seinem Preise

Hat als Leuchte hingestellt

Blicke traulich zu uns nieder

Durch die Nacht aufs Erdenrund.

Als ein treuer Menschenhüter

Tust du Gottes Liebe kund.

Guter Mond, du gehst so stille

In den Abendwolken hin,

Bist so ruhig, und ich fühle,

Daß ich ohne Ruhe bin.

Traurig folgen meine Blicke

Deiner stillen, heitern Bahn.

O wie hart ist mein Geschicke,

Daß ich dir nicht folgen kann.

Guter Mond, dir will ich's sagen,

Was mein banges Herze kränkt,

Und an wen mit bittren Klagen

Die betrübte Seele denkt!

Guter Mond, du kannst es wissen,

Weil du so verschwiegen bist,

Warum meine Tränen fließen

Und mein Herz so traurig ist.

Ach, daß auch in uns're Herzen

Himmelsruhe zöge ein,

Daß wir immer frei von Schmerzen,

Stets zufrieden möchten sein!

Sanft umströmet uns dein Schimmer,

Klarer milder Mondenschein

Menschenherz, o daß du immer

Wärst wie dieses Licht so rein!