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PREUSSLER, Otfried



Krabat
…..
" Wäre das nicht er Fall , wenn der Meister auf andere Weise zu Tode käme?'

,Nein', sagte Juro. "Und dies ist ein weiterer Grund für die wenigen Eingeweihten, alljährlich den Tod eines Mitgesellen in Kauf zu nehmen."

"Und du?' fragte Krabat. Du selber hast auch nichts dagegen getan?'

"Weil ich mich nicht getraut habe", sagte Juro. Und weil ich kein Mädchen hab, das mich freibitten käme.'

Er spielte mit beiden Händen am Kerzenleuchter, indem er ihn auf der Tischplatte hin und her drehte, langsam und prüfend, als wollte er etwas Bestimmtes dabei herausfinden, das für ihn wichtig war.

,Daß wir uns recht verstehen', meinte er schließlich. "Noch brauchst du dich nicht zu entscheiden, Krabat, nicht endgültig. Doch wir sollten schon jetzt damit anfangen, alles zu tun, was in unserer Kraft steht, um vorzusorgen, daß du dem Mädchen die Probe notfalls erleichtern kannst."

"Aber das kann ich doch!" sagte Krabat. "Ich werde ihr in Gedanken das Nötige zu verstehen geben - das geht doch, das haben wir ja gelernt!"

"Das geht nicht', widersprach ihm Juro.

"Nein?'

,Weil der Meister die Macht hat, das zu verhindern. Er hat es bei Janko getan - und er wird es auch diesmal tun, da besteht kein Zweifel.'

"Was dann?' fragte Krabat.

,Du mußt', sagte Juro, "im Lauf des Sommers und Herbstes dahin zu kommen trachten, daß du imstande bist, dich, dem Willen des Meisters zu widersetzen. Wenn wir in Rabengestalt auf der Stange hocken, und er gebietet uns: Steckt die Schnäbel unter den linken Flügel!' - dann mußt du es fertigbringen, daß du als einziger deinen Schnabel unter den rechten steckst. Du verstehst mich. Indem du dich bei der Probe anders verhältst als wir übrigen, gibst du dich zu erkennen: das Mädchen weiß dann, auf welchen Raben es zeigen muß, und die Sache hat sich."

"Was können wir also tun?" meinte Krabat. "Du wirst deinen Willen üben.

"Sonst nichts?"

"Das ist mehr als genug, wie du merken wirst. Wollen wir anfangen?' Krabat war einverstanden.

Nehmen wir an', meinte Juro, "daß ich der Meister bin. Wenn ich dir einen Befehl gebe, wirst du versuchen, das Gegenteil dessen zu tun, was ich sage. Statt also, falls ich es dir befehlen sollte, etwas von rechts nach links zu rücken, rückst du's von links nach rechts. Wenn du aufstehen sollst, bleibst du sitzen. Verlange ich, daß du mir ins Gesicht schaust, dann blickst du weg. Ist das klar?"

"Das ist klar', sagte Krabat.

"Gut, dann beginnen wir ."

…..