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VON LE FORT, Gertrud


Die Heimatlosen

Wir sind von einem edlen Stamm genommen,

der Schuld vermählt,

wir sind au dunklen Wegen hergekommen,

wund und gequält.

Wir hielten einst ein Vaterland umfangen –

Gott riss uns los –

wir sind durch Feuer und durch blut gegangen,

verfolgt und bloss.

Des Abgrunds engel hat uns überflogen –

wer bannt sein Heer?

wir sind am Rand der Hölle hinggezogen –

uns graust nicht mehr.

Durch jede Schmach sind wir hindurchgebrochen

bis ins Gericht:

Wir hörten Worte, die ihr nie gesprochen –

oh, redet nicht!

Uns winkt hier niemals Heimat mehr wie andern,

uns hält kein Band,

Gott riss uns los, wir müssen wandern, wandern –

wüst liegt das Land,

wüst liegt die Stadt, wüst liegen Hof und Hallen,

die Hand ward leer,

wir sahen eine Welt in Trümmer fallen –

uns trifft nichts mehr.

Ziel eines Hasses oder eines Spottes,

was liegt daran?

Wir sind die Heimatlosen unsres Gottes –

er nimmt uns an.

Die Schuld ist ausgeweint, wir sind entronnen

ins letzte Weh:

Die ew’ge Gnade öffnet ihre Bronnen –

Blut wird zu Schnee.