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CAROSSA, Hans


Wo sind nun Rosen?

Wo sind nun Rosen? Wo die Schwäne?
Der Teich, von Goldfischen durchflammt?
In sich zerstürzt ist die Fontäne,
Das Becken leer und schwarz verschlammt.

Aus kahlen Bäumen tropft es neblig;
Dort stehen Tische, grad gereiht.
Auf Gäste warten sie vergeblich;
Denn es ist nicht mehr Gäste-Zeit.

Auf offen Doms bemoosten Stufen
Verzehrt ein Bettler karges Mahl.
Vom Turme flattern wie gerufen
Die heiligen Tauben allzumal.

Sie schwirren ihm um Hut und Wangen.
Sie rauben ihm sein letztes Brot.
Er lächelt knabenhaft befangen,
Und freut sich plötzlich seiner Not.


Der alte Brunnen

Lösch aus dein Licht und schlaf! Das immer wache

Geplätscher nur vom alten Brunnen tönt,

Wer aber Gast war unter meinem Dache,

Hat sich stets bald an diesen Ton gewöhnt.

Zwar kann es einmal sein, wenn du schon mitten

Im Traume bist, dass Unruh geht ums Haus,

Der Kies am Brunnen knirscht von harten Tritten,

Das helle Plätschern setzt auf einmal aus,

Und du erwachst, - dann musst du nicht erschrecken!

Die Sterne stehn vollzählig überm Land,

Und nur ein Wandrer trat ans Marmorbecken,

Der schöpft vom Brunnen mit der hohlen Hand.

Und geht gleich weiter. Und es rauscht wie immer.

O freue dich, du bleibst nicht einsam hier,

Viel Wandrer gehen fern im Sternenschimme,

Und mancher noch ist auf dem Weg zu dir.