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GÜNTHER, Johann Christian


Ich will schweigen. Mag's doch sein,

Mag's doch biegen oder brechen,

Mitleid oder Tyrannei,

Beides gilt mir einerlei;

Las die Lästerzungen stechen,

Las die Misgunst Zeter schrein,

Ich will schweigen, mag's doch sein.


Ich will schweigen. Immerhin,

Immerhin, ihr falschen Freunde,

Last mich stecken, flieht und lacht,

Geht geheim, verstärckt die Macht

Meiner abgesagten Feinde,

Eure Flucht ist mein Gewinn.

Ich will schweigen, immerhin.


Ich will schweigen. Rast nur fort,

Rast nur fort, ihr groben Spötter,

Helft dem Glücke, das mich drückt,

Drängt die Unschuld, die sich bückt,

Und erregt noch größre Wetter,

Manchmahl bringt ein Sturm an Port.

Ich will schweigen, rast nur fort.


Ich will hoffen. Hoffnung siegt.

Die Geduld ist meine Stärcke,

Die Gelaßenheit mein Schwert;

Wer sich mit Verachtung wehrt,

Tut im Streiten Wunderwerke,

Bis Gewalt und Boßheit liegt.

Ich will hoffen. Hoffnung siegt.


Ich will hoffen als ein Mann.

Ob ich mich auch jezo schmiege,

Ob gleich niemand nach mir fragt

Oder mich nur treu beklagt,

O wer weis, wie bald sich's füge,

Daß ich andre retten kan.

Ich will hoffen als ein Mann.


Ich will hoffen unverzagt.

Mischt das Glücke gleich die Charten

Jezo ziemlich schlimm vor mich,

Nur Gedult, der beste Stich

Kommt auf stille sein und warten.

Falschheit, Glück und Feinde schlagt!

Ich will hoffen unverzagt.


Trostaria


Endlich bleibt nicht ewig aus,

Endlich wird der Trost erscheinen,

Endlich grünt der Hoffnungsstrauß,

Endlich hört man auf zu weinen.

Endlich bricht der Tränen Krug,

Endlich spricht der Tod: Genug!


Endlich wird aus Wasser Wein,

Endlich kommt die rechte Stunde,

Endlich fällt der Kerker ein,

Endlich heilt die tiefe Wunde.

Endlich macht die Sklaverei

Den gefangnen Joseph frei.


Endlich, endlich kann der Neid,

Endlich auch Herodes sterben,

Endlich Davids Hirtenkleid

Seinen Saum in Purpur färben,

Endlich macht die Zeit den Saul

Zur Verfolgung schwach und faul.


Endlich nimmt der Lebenslauf

Unsres Elends auch ein Ende,

Endlich steht der Heiland auf,

Der das Joch der Knechtschaft wende,

Endlich machen vierzig Jahr

Die Verheißung zeitig wahr.


Endlich blüht die Aloe,

Endlich trägt der Palmbaum Früchte,

Endlich schwindet Furcht und Weh,

Endlich wird der Schmerz zunichte,

Endlich sieht man Gottes Tal:

Endlich endlich kommt einmal.