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RÜHMKORF, Peter



Auf was nur einmal ist


Für Heinrich Maria Ledig-Rowohlt


Manchmal fragt man sich: Ist das das Leben?

Manchmal weiß man nicht: Ist dies das Wesen?

Wenn du aufwachst, ist die Klappe zu.

Nichts eratmet, alles angelesen,

siehe, das bist du.


Und du denkst vielleicht: ich gehe unter,

bodenlos und fürchterlich -:

Einer aus dem großen Graupelhaufen,

nur um einen kleinen Flicken bunter,

siehe, das bin ich.


Aber dann, aufeinmalso, beim Schlendern,

lockert sich die Dichtung, bricht die Schale,

fliegen Funken zwischen Hut und Schuh:

Dieser ganz bestimmte Schlenker aus der Richtung,

dieser Stich ins Unnormale,

was nur einmal ist und auch nicht umzuändern:

siehe, das bist du.


Bleib erschütterbar und widersteh

Also heut: zum Ersten, Zweiten, Letzten:

Allen Durchgedrehten, Umgehetzten,

was ich, kaum erhoben, wanken seh,

gestern an und morgen abgeschaltet:

Eh dein Kopf zum Totenkopf erkaltet:

Bleib erschütterbar – doch widersteh!


Die uns Erde, Wasser, Luft versauen

– Fortschritt marsch! mit Gas und Gottvertrauen –

Ehe sie dich einvernehmen, eh

du im Strudel bist und schon im Solde,

wartend, daß die Kotze sich vergolde:

Bleib erschütterbar – und widersteh.


Schön, wie sich die Sterblichen berühren –

Knüppel zielen schon auf Hirn und Nieren,

daß der Liebe gleich der Mut vergeh…

Wer geduckt steht, will auch andre biegen.

(Sorgen brauchst du dir nicht selber zuzufügen;

alles, was gefürchtet wird, wird wahr!)

Bleib erschütterbar.

Bleib erschütterbar – doch widersteh.


Widersteht! im Siegen Ungeübte,

zwischen Scylla hier und dort Charybde

schwankt der Wechselkurs der Odyssee…

Finsternis kommt reichlich nachgeflossen;

aber du mit – such sie dir! – Genossen!

teilst das Dunkel, und es teilt sich die Gefahr,


leicht und jäh – – –

Bleib erschütterbar!

Bleib erschütterbar – und widersteh