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HUCHEL, Peter


Damals

Damals ging noch am Abend der Wind

Mit starken Schultern rüttelnd ums Haus.

Das Laub der Linde sprach mit dem Kind,

Das Gras sandte seine Seele aus.

Sterne haben den Sommer bewacht

Am Rand der Hügel, wo ich gewohnt:

Mein war die katzenäugige Nacht,

Die Grille, die unter der Schwelle schrie,

Mein war im Ginster die heilige Schlange

Mit ihren Schläfen aus milchigem Mond.

Im Hoftor manchmal das Dunkel heulte,

Der Hund schlug an, ich lauschte lange

Den Stimmen im Sturm und lehnte am Knie

Der schweigsam hockenden Klettenmarie,

Die in der Küche Wolle knäulte.

Und wenn ihr grauer schläfernder Blick mich traf,

Durchwehte die Mauer des Hauses der Schlaf.



Der Garten des Theophrast

Meinem Sohn


Wenn mittags das weiße Feuer

Der Verse über den Urnen tanzt,

Gedenke, mein Sohn. Gedenke derer,

Die einst Gespräche wie Bäume gepflanzt.

Tot ist der Garten, mein Atem wird schwerer,

Bewahre die Stunde, hier ging Theophrast,

Mit Eichenlohe zu düngen den Boden,

Die wunde Rinde zu binden mit Bast.

Ein Ölbaum spaltet das mürbe Gemäuer

Und ist noch Stimme im heißen Staub.

Sie gaben Befehl, die Wurzel zu roden.

Es sinkt dein Licht, schutzloses Laub.