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BERNHARD, Thomas



Meine Preise

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Die Feier war ziemlich kurz. Herr von Bohlen und Halbach, der damalige Vorsitzende des Bundesverbandes der Deutschen Industrie sollte die Verleihung der Ehrengabe an Frau Borchers und an mich vornehmen. Wir hatten mit Doktor de le Roi in der ersten Reihe Platz genommen. Links und rechts von uns waren die Honoratioren der Stadt, auch der Bürgermeister mit seiner schweren Kette. Ich hatte am Vorabend zu viel gegessen und fühlte mich elendig. Ich weiß gar nicht mehr, ob eine Rede gehalten wurde, aber wahrscheinlich doch, denn eine solche Feierlichkeit geht gar nicht ohne Rede. Die Ehrengäste drohten den Rathausfestsaal zur Explosion zu bringen. Ich konnte kaum atmen. Ich drohe in dieser Festsaalluft zu ersticken. Alles war voller Schweiß und Würde. Aber wir hatten so viel gelacht am Vorabend, dachte ich, die Frau Borchers und ich, das allein war es wert gewesen. Und dazu jetzt auch noch die achttausend Mark! Gleich ist der ganze Zauber vorbei und wir bekommen den Scheck in die Hand!, dachte ich. Natürlich hatte auch hier eine Kammermusikkapelle Platz genommen, was sie aufspielte, weiß ich nicht mehr. Und dann kam auch schon, wie mir in Erinnerung ist, völlig überraschend, der entscheidende Augenblick. Der Präsident von Bohlen und Halbach betrat das Podium und las von einem Zettel Folgendes ab: "...und hiermit überreicht der Bundesverband der Deutschen Industrie die Ehrengabe neunzehnhundertsiebenundsechzig an Frau Bernhard und Herrn Borchers!
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