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LILIENCRON, Detlev von


Sommernacht

An ferne Berge schlug wie Donnerkeulen

ein rasch verrauschtes Nachmittagsgewitter.

Die Bauern zogen heim auf müden Gäulen,

und singend kehrten Winzervolk und Schnitter.

Auf allen Dächern qualmten blaue Säulen

genügsam himmelan, ein luftig Gitter.

Nun ist es Nacht, es geistern schon die Eulen,

einsam aus einer Laube klingt die Zither


Tod in Ähren

Im Weizenfeld, im Korn und Mohn,

Liegt ein Soldat, unaufgefunden,

Zwei Tage schon, zwei Nächte schon,

Mit schweren Wunden, unverbunden.

Durstüberquält und fieberwild,

Im Todeskampf den Kopf erhoben.

Ein letzter Traum, ein letztes Bild

Sein brechend Auge schlägt nach oben.

Die Sense rauscht im Ährenfeld,

Er sieht sein Dorf im Arbeitsfrieden,

Ade, ade, du Heimatwelt -

Und beugt das Haupt und ist verschieden.