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MILLER, Johann Martin

Siegwart, eine Klostergeschichte

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Verfluchter Son!

Hol Dich der Teufel mit Deinem ganzen Hurenpack! Da hast Du 'n rechten Hundestreich gemacht. Bist denn gar ein Narr? Was treibst mit des Amtmanns Mädel, der unadelichen nichtsnutzigen Kanale? Hör Kerl, Du bist keinen Schuß Pulver wehrt – hol mich dieser und jener, Mann sollt Dich todtschlagen, wie einen Dags. Ich hab mir g'ärgert, daß ichs Zibberlein trügen thät, sonst wär ich selbst komen, und hätt Dich todtg'schlagen. Invamer Kerl, daß Du Dich so wegwerfen thust, als ob Du von einer Bürgershur herkommen thätest! Ich muß mich ja ob Dir schamen wo ich hinkomm. Aber ich schwör Dir bei Godd, daß, wenn Du mir noch Augenblikk an das Burgersmädel denken thust, so reit ich weck, und wenn ich keinen Fuß hätt, und schieß Dir nieder, und schlag Dich dann mitn Flintenkolben follendts tod. Laß Dirs nur nit einfallen, daß Du noch 'n Buchstaben an sie schreibst, oder Du bist, meiner Seel! des Teufels. Ich habs 'm Amtman dem Kerl schon g'sagt, und seiner Dirn auch, 's kostet Dir und ihm und ihr 's Leben. Solang ich auf Godds Erdboden bin, sollst Du nicht mit ihr z'samen kommen, und wenns die ganz Welt hahn wollt. Ich reiss euch von einander, und sollts mit den Zähnen sein. Da hast Du mein Wort. So wahr ich 'n alter Edelmann, und sie 'n kahle Amtmansdirn ist. Verteufelter Son, das heisst 'm alten Vater Herzleid anthun. So hats noch keiner g'macht seit vil dausend Jahren, seit 's Kronehelm geben hat, und Du muest grab anfangen, und willt doch mein Son sein? Ja 'n Teufelskerl bist, und kein Gaballiers Son. Ich sag Dirs, wenn Du noch a Zeil schreiben thust, so must Du sterben, und wenn Du auch am Himel hangen thätest, Du must mir runter; und 's Mädel zerreiss ich mit den Nägeln, das merk Dir! Laß mir ja kein Wort hören, und wenn Du nur Mukker gegen mir thust, so schick ich drey Kerl zu Dir, die sollen Dich lebendig oder tot zu mich bringen. Da sollt Du Deine liebe Not haben. Braten will ich Dich, wie 'n Hasen, Lauskerl Du! Ich hab meine Spijon, Einen Buochstaben, und Du bist hin, und Deine Hur auch. Ich hab mir g'ärgert, daß ich nicht mer schreiben kan. Du weist noch nit, wie ich bin, wenn ich wild werd. Schwör mir heilig, daß Du nit mer an sie dencken, und noch minder schreiben willt, sonst sind auf d' Woch die drey Kerl bey Dir, und holen Dich, und ich laß Dich schliessen, und beym Mädel forbey führen, und sie mit der Kugel vor den Kopf brennen, daß sie verrecken muß, wie 'n ang'schoßnes Thier. Schreib mirs nur gleich, oder du lebst keine 6 Täg mehr, das schwör ich dir bey allen Teufeln.

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