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MOMBERT, Alfred



Aus dem Meer-Abgrund


Aus dem Meer-Abgrund
reichen luftige Gestalten
zu mir auf einen ehernen Becher.
Er wandert durch die Purpurnacht der Tiefe,
zwischen Korallen und Medusen
beglänzt von bunten Märchenaugen;
aus strudelndem Schachte schießt er hoch,
entschlüpfend dem Macht-Schlag der grünen Woge
Aufwärts schäumend in den Licht-Äther
- Hinabblick über Welt und Meer -
dringt er in die morgenroten Wolken,
verschwindend unten, jetzt schon oben sichtbar:
auf, herauf,
über Welten, über Sternen spielend - :
Herauf an meine Lippe.

Meinen frühsten Becher halte ich wieder.
In seinem Tranke spiegelt
wundersam mein Bild.
Ein Auge erblick' ich. Drin versank
Gott und die Urwelt und manch herrliches Weib.
Drin schwankt jetzt traumhaft
des Chaos selige Blüte:
Die Tänzerin der Nacht.



Der Besuch


Auf einem Sofa saß ich wieder

und tat mit einem Hündchen spielen;

doch konnt' ich's nicht lassen, hin und wieder

nach einem Angesicht zu schielen.


Wie wenig hat sie sich verändert!

Die kleinen Züge! die feinen Striche!

Das große Auge stolzumrandert

und drinnen blinkernd silberne Fische —


Die schlanke Hand ruht noch so gerne

auf einem weichen weichen Haare —

darüber leuchten Mond und Sterne,

gekauft in türkischem Bazare —


Ich spiele, lache mit einem Hündchen,

mein Blut schwillt tobend, stürzt beklommen,

ich warte — warte, daß einem Mündchen

die alte Sprache will wiederkommen ...


Dämmerstunde


Du sitzest traurig mir gegenüber.

Vielleicht auch, daß du weinst.

Du bist nicht, was du scheinst,

und meine Hand hat deine sinken lassen.

In fernen Sonnelanden, drüber

der Himmel tiefer blaut, kann ich dich fassen.

Aus lockend irr verschlungenen Gassen

tönt Mandolinenklang - zieht so fein

mich in das tief versteckte Haus hinein ...


Du bist nicht, was du scheinst!

Du bist Erinnerung von jenen Sonnen!

Du bist Erinnerung von jenen Wonnen! -

Ein Wenig abgeblaßt; ein Wenig trüber ...


Du sitzest traurig mir gegenüber.

Ich glaube, du weinst.


Warm die Lüfte


Warm die Lüfte,

es sprießt Gras auf sonnigen Wiesen.

Horch!-

Horch, es flötet die Nachtigall...

Ich will singen:


Droben hoch im düstern Bergforst,

es schmilzt und glitzert kalter Schnee,

ein Mädchen im grauen Kleide

lehnt am feuchten Eichstamm,

krank sind ihre zarten Wangen,

die grauen Augen fiebern

durch Düsterriesenstämme.

"Er kommt noch nicht. Er läßt mich warten"...


Stirb!

Der Eine stirbt, daneben der Andere lebt:

Das macht die Welt so tiefschön.


Schlafend trägt man mich

Schlafend trägt man mich

in mein Heimatland.

Ferne komm' ich her,

über Gipfel, über Schlünde,

über ein dunkles Meer

in mein Heimatland.


Nun ich der Riesen Stärksten überwand


Nun ich der Riesen Stärksten überwand,

mich aus dem dunkelsten Land

heimfand

an einer weißen Märchenhand -

Hallen schwer die Glocken.

Und ich wanke durch die Gassen

schlafbefangen.