Test
Download document

GÜNTHER, Johann Christian


Trostaria

Endlich bleibt nicht ewig aus:

Endlich wird der Trost erscheinen;

Endlich grünt der Hoffnungs-Strauß;

Endlich hört man auf zu weinen;

Endlich bricht der Thränen-Krug;

Endlich spricht der Tod: Genug!


Endlich wird aus Wasser Wein,

Endlich kommt die rechte Stunde;

Endlich fällt der Kercker ein;

Endlich heilt die tieffe Wunde;

Endlich macht die Sclaverey

Den gefangnen Joseph frey.


Endlich, endlich kann der Neid,

Endlich auch Herodes sterben;

Endlich Davids Hirten-Kleid

Seinen Saum in Purpur färben,

Endlich macht die Zeit den Saul

Zur Verfolgung schwach und faul.


Endlich nimmt der Lebens-Lauff

Unsres Elends auch ein Ende;

Endlich steht der Heiland auf,

Der das Joch der Knechtschafft wende;

Endlich machen viertzig Jahr

Die Verheissung zeitig wahr.


Endlich blüht die Aloe;

Endlich trägt der Palm-Baum Früchte,

Endlich schwindet Furcht und Weh,

Endlich wird der Schmertz zu nichte,

Endlich sieht man Freuden-Thal,

Endlich, Endlich kommt einmahl.


Auf Des Herrn Christian Jacobi Symbolum: Spe Et Silentio

Ich will schweigen. Mag's doch sein,

Mag's doch biegen oder brechen,

Mitleid oder Tyrannei,

Beides gilt mir einerlei;

Las die Lästerzungen stechen,

Las die Misgunst Zeter schrein,

Ich will schweigen, mag's doch sein.


Ich will schweigen. Immerhin,

Immerhin, ihr falschen Freunde,

Last mich stecken, flieht und lacht,

Geht geheim, verstärckt die Macht

Meiner abgesagten Feinde,

Eure Flucht ist mein Gewinn.

Ich will schweigen, immerhin.


Ich will schweigen. Rast nur fort,

Rast nur fort, ihr groben Spötter,

Helft dem Glücke, das mich drückt,

Drängt die Unschuld, die sich bückt,

Und erregt noch größre Wetter,

Manchmahl bringt ein Sturm an Port.

Ich will schweigen, rast nur fort.


Ich will hoffen. Hoffnung siegt.

Die Geduld ist meine Stärcke,

Die Gelaßenheit mein Schwert;

Wer sich mit Verachtung wehrt,

Tut im Streiten Wunderwerke,

Bis Gewalt und Boßheit liegt.

Ich will hoffen. Hoffnung siegt.


Ich will hoffen als ein Mann.

Ob ich mich auch jezo schmiege,

Ob gleich niemand nach mir fragt

Oder mich nur treu beklagt,

O wer weis, wie bald sich's füge,

Daß ich andre retten kan.

Ich will hoffen als ein Mann.


Ich will hoffen unverzagt.

Mischt das Glücke gleich die Charten

Jezo ziemlich schlimm vor mich,

Nur Gedult, der beste Stich

Kommt auf stille sein und warten.

Falschheit, Glück und Feinde schlagt!

Ich will hoffen unverzagt.


Trostaria


Endlich bleibt nicht ewig aus,

Endlich wird der Trost erscheinen,

Endlich grünt der Hoffnungsstrauß,

Endlich hört man auf zu weinen.

Endlich bricht der Tränen Krug,

Endlich spricht der Tod: Genug!


Endlich wird aus Wasser Wein,

Endlich kommt die rechte Stunde,

Endlich fällt der Kerker ein,

Endlich heilt die tiefe Wunde.

Endlich macht die Sklaverei

Den gefangnen Joseph frei.


Endlich, endlich kann der Neid,

Endlich auch Herodes sterben,

Endlich Davids Hirtenkleid

Seinen Saum in Purpur färben,

Endlich macht die Zeit den Saul

Zur Verfolgung schwach und faul.


Endlich nimmt der Lebenslauf

Unsres Elends auch ein Ende,

Endlich steht der Heiland auf,

Der das Joch der Knechtschaft wende,

Endlich machen vierzig Jahr

Die Verheißung zeitig wahr.


Endlich blüht die Aloe,

Endlich trägt der Palmbaum Früchte,

Endlich schwindet Furcht und Weh,

Endlich wird der Schmerz zunichte,

Endlich sieht man Gottes Tal:

Endlich endlich kommt einmal.



Die Pest ergrif den Leib der schönen Flavia


Die Pest ergrif den Leib der schönen Flavia,

Der Mund warf Jäscht und Schaum, die Brust geschwollne Beulen,

Die Augen wurden welck, und niemand war mehr da,

Und niemand konte sie mit Kraut und Pflaster heilen.


Ihr treuer Thyrsis kam und warf den treuen Arm

Der Schönen um den Hals, den Stanck und Eiter füllte;

Die Liebe macht' ihm mehr als Angst und Fieber warm,

Daher er in der Schoos die starcke Sehnsucht stillte.


Seht, welch ein Wunderwerck! Die Krancke wird entzückt

Und durch den Perlenthau mit neuer Kraft begoßen;

Sie hebt den schwachen Leib und lacht und hüpft und drückt,

So daß es, wie man sagt, auch selbst den Tod verdroßen.


Und kurz, sie ward gesund. Was thut die Liebe nicht!

Ihr Ärzte, prahlt nicht mehr mit eurem Doctortittel;

Die Kunst, so Thyrsis kan, ist beßer eingericht.

Ihr Mägdgens, lernt und braucht dergleichen Lebensmittel!