BIEDERMANN, Nelio
Lázár
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Während Lajos das Auslaufen der Titanic erwartete, war es ihm, als würde er selbst an Bord sein, wenn es so weit wäre. In seinen Gedanken stand er an Deck und sah die Hügel seines Mutterlandes verblassen.
… Alles musste versinken, untergehen, ertrinken, damit er endlich frei, endlich ein eigener, für sich stehender Mensch sein konnte, ohne die Geschichte im Rücken, den Adel am Finger und die Vorfahrenkette um den Hals.
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Lilly nickte und merkte plötzlich, dass sie nackt war. Sie konnte doch jetzt nicht nackt sein! England hatte Deutschland den Krieg erklärt, und sie war nackt! In Europa war wieder Krieg, und sie stand völlig entblößt in der Gegend rum! Schnell ging sie an Lajos vorbei und warf dabei einen kurzen Blick aus dem Fenster –Die Apfelbäume trugen dieses Jahr besonders viele Birnen. Das Kleid, das sie vom Stuhl nahm, hing im Schrank. Lajos war ein ängstlicher Junge und die Zeit um siebenundzwanzig Jahre zurückgedreht
worden.
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Die Jahre kamen und gingen, zogen wie die Roma mit ihren Pferden und Zirkuswagen durch das Habsburgerreich, durch die im Donausumpf versinkende Monarchie. Und auf ihrem Weg durch dieses alte Reich, das von einem ebenso alten Kaiser regiert wurde, auf ihrer spiralförmigen Reise durch die Felder und Wälder und Städte, hinab zu den zukünftigen Knochen, hinein in die blutroten Tiefen dieses jungen Jahrhunderts, mieden die umherstreifenden Jahre auch das Schloss der Familie von Lázár nicht. Die Kinder wurden älter, Mária einsamer und Sándor distanzierter.
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Während er die Stufen hinaufging, versuchte er, sich an die Reiseroute der jungen Eheleute zu erinnern.
… Plötzlich schwankte er leicht zur Seite, verfehlte beim nächsten Schritt die Höhe der letzten Stufe, trat dagegen, verlor das Gleichgewicht und fiel rückwärts alle achtzehn Stufen hinab – entgegen der Annahme, das ganze Leben ziehe noch einmal an einem vorbei, erschien Sándor nur das Bild eines einzigen Menschen, während er mit gebrochenem Schädel darauf wartete, dass er seinen Hirnblutungen erlag: Es war der junge Knecht mit den wasserblauen Augen.
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