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WALTER, Silja



Die Irre


Ich bin nicht da. Ich bin doch irgendwo?

Ich gehe laut, behorche meine Schritte,

Doch rühr' ich mein Gesicht an, klingt es so,

Als breche man ein Kelchglas in der Mitte.


Ich leid' dies Klingen unter jedem Blick.

Die Stadt blickt einen abends fast entzwei.

Lasst mich doch los, sonst laufe ich zurück

Mit tausend Scherben im Gesicht und schrei'.


So schaut mich tot. Ich bin ja doch nicht da.

Der Regen meint es auch, der auf mir spielt.

Es wundert ihn, was mittags denn geschah,

Dass sich mein Mund so seltsam hart anfühlt.


Ich weiss es nicht. Ich tränke gerne Wein.

Hielt gern in Händen grosse Akeleien.

Ich wollt' ein schönes totes Standbild sein

Am Brunnenrand und leblang nicht mehr schreien.


Dann leget ihr erschreckt mir Gitter um.

O tut es doch in dieser schweren Nacht

Und süsse Dunkelheit darum herum,

Die alle Dinge tödlich schlafen macht.


Dann gäb' es keine grauen Gassen mehr

Und nie mehr ein Gesicht, so gut wie seins.

Der Tag wär eine stete Wiederkehr

Der Nacht im Tonfall kupferroten Weins.


Dann kehrt' ich sorgsam wieder zu mir heim

Und küsste mich und wäre selber wieder.

Ich sänge mich zu einem neuen Reim

Und sänge alle eure Gitter nieder.