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TIECK, Ludwig


Ja, mancher steht und wartet in der Welt,

Ja, mancher steht und wartet in der Welt,

Und weiß nicht recht, worauf er warten soll.

Wer zuviel Freundschaft hofft, sieht selbst im Freunde

Den kalten Freund. Ach, diese Alltagswelt

Ist voll von leeren Busen, leeren Herzen,

Daß man die Liebe nicht verschleudern muß,

Um nicht in jenen schlimmsten Fall zu kommen,

Daß man um Liebe bettelt, und wie Bettler

Mit Höhnen vor die Tür gewiesen wird.



Abend
.....
O Gegenwart, wie bist du schnell!

Vergangenheit, wie bist du klein!

O Zukunft, wie wirst du unendlich sein?

Unendlich wie am Himmelsbogen

Die Sterne in die ew'gen Räume steigen,

So fühl' ich Stunden, Tage, Monden hergezogen,

Und durch mein tiefstes Sein das trübe Schweigen,

Um mich ein unvergänglich Meer von schwarzen Wogen,

Und ach! kein grünes Ufer will sich zeigen!.....


Ja, mancher steht und wartet in der Welt

Ja, mancher steht und wartet in der Welt,

Und weiß nicht recht, worauf er warten soll.

Wer zuviel Freundschaft hofft, sieht selbst im Freunde

Den kalten Freund. Ach, diese Alltagswelt

Ist voll von leeren Busen, leeren Herzen,

Daß man die Liebe nicht verschleudern muß,

Um nicht in jenen schlimmsten Fall zu kommen,

Daß man um Liebe bettelt, und wie Bettler

Mit Höhnen vor die Tür gewiesen wird.


Melankolie

Schwarz war die Nacht und dunkle Sterne brannten

Durch Wolkenschleier matt und bleich,

Die Flur durchstrich das Geisterreich,

Als feindlich sich die Parzen abwärts wandten,

Und zorn'ge Götter mich in's Leben sandten.

Die Eule sang mir grause Wiegenlieder

Und schrie mir durch die stille Ruh

Ein gräßliches: Willkommen! zu.

Der bleiche Gram und Jammer sanken nieder

Und grüßten mich als längst gekannte Brüder.

Da sprach der Gram in banger Geisterstunde:

Du bist zu Quaalen eingeweiht,

Ein Ziel des Schicksals Grausamkeit,

Die Bogen sind gespannt und jede Stunde

Schlägt grausam dir stets neue blutge Wunde.

Dich werden alle Menschenfreuden fliehen,

Dich spricht kein Wesen freundlich an,

Du gehst die wüste Felsenbahn,

Wo Klippen drohn, wo keine Blumen blühen,

Der Sonne Strahlen heiß und heißer glühen.

Die Liebe, die der Schöpfung All durchklingt,

Der Schirm in Jammer und in Leiden,

Die Blüthe aller Menschenfreuden,

Die unser Herz zum höchsten Himmel schwingt,

Wo Durst aus seelgem Born Erquicken trinkt,

Die Liebe sei auf ewig dir versagt.

Das Thor ist hinter dir geschlossen,

Auf der Verzweiflung wilden Rossen

Wirst du durch's öde Leben hingejagt,

Wo keine Freude dir zu folgen wagt.

Dann sinkst du in die ewge Nacht zurück,

Sieh tausend Elend auf dich zielen,

Im Schmerz dein Dasein nur zu fühlen!

Ja erst im ausgelöschten Todesblick

Begrüßt voll Mitleid dich das erste Glück. –


Zeit


So wandelt sie, im ewig gleichen Kreise,

Die Zeit nach ihrer alten Weise,

Auf ihrem Wege taub und blind,

Das unbefangne Menschenkind.

Erwartet stets vom nächsten Augenblick

Ein unverhofftes seltsam neues Glück.

Die Sonne geht und kehret wieder,

Kommt Mond und sinkt die Nacht hernieder,

Die Stunden, die Wochen abwärts leiten,

Die Wochen bringen die Jahreszeiten.

Von außen nichts sich je erneut,

In dir trägst du die wechselnde Zeit,

In dir nur Glück und Begebenheit.


Sehnsucht


Warum Schmachten?

Warum Sehnen?

Alle Thränen

Ach! sie trachten

Weit nach Ferne,

Wo sie wähnen

Schönre Sterne.

Leise Lüfte

Wehen linde,

Durch die Klüfte

Blumendüfte,

Gesang im Winde.

Geisterscherzen,

Leichte Herzen!


Ach! ach! wie sehnt sich für und für

O fremdes Land, mein Herz nach dir!

Werd' ich nie dir näher kommen,

Da mein Sinn so zu dir steht?

Kömmt kein Schifflein angeschwommen,

Das dann unter Segel geht?

Unentdeckte ferne Lande, –

Ach mich halten ernste Bande,

Nur wenn Träume um mich dämmern,

Seh' ich deine Ufer schimmern,

Seh' von dorther mir was winken, –

Ist es Freund, ist' s Menschgestalt?

Schnell muß alles untersinken,

Rückwärts hält mich die Gewalt. –


Warum Schmachten?

Warum Sehnen?

Alle Thränen

Ach! sie trachten

Nach der Ferne,

Wo sie wähnen

Schönre Sterne. –


Reue


Könnten Thränen dich versöhnen,

Möchte Reue dich vermögen:

Daß sie zu mir niederzögen

Alles Glück, die vor'gen Gaben,

Nimmer wollt' ich sie verhöhnen.


Aber nie wird Kühlung laben

Den, der seine Bäume fällt;

Ihm erstirbt das grüne Zelt:

Wer sein Haus sich selbst verwüstet,

Nie kann der sich wohl gehaben.