BÜCHNER, Georg



Leise hinter Nachtgewölke


Leise hinter düstrem Nachtgewölbe

Tritt des Mondes Silberbild hervor,

Aus des Wiesentales feuchtem Grunde

Steigt der Abendnebel leicht empor.


Ruhig schlummernd liegen alle Wesen,

Feiernd schweigt des Waldes Sängerchor,

Nur aus stillem Hain, einsam klagend,

Tönet Philomenes Lied hervor.


Schweigend steht des Waldes düstre Fichte,

Süß entströmt der Nachtviole Luft,

Um die Blumen spielt des Westwinds Flügel,

Leis hinstreichend durch die Abendluft.


Rosetta


[aus: Leonce und Lena ]


O meine müden Füße, ihr müsst tanzen
in bunten Schuhen,
und möchtet lieber tief, tief
im Boden ruhen.


O meine heißen Wangen, ihr müsst glühen
im wilden kosen,
und möchtet lieber blühen -
zwei weiße Rosen.


O meine armen Augen, ihr müsst blitzen
im Strahl der Kerzen
und schlieft im Dunkel lieber aus
von euren Schmerzen.



Die Nacht


Niedersinkt des Tages goldner Wagen,

Und die stille Nacht schwebt leis' herauf,

Stillt mit sanfter Hand des Herzens Klagen,

Bringt uns Ruh im schweren Lebenslauf.


Ruhe gießt sie in das Herz des Müden,

Der ermattet auf der Pilgerbahn,

Bringt ihm wieder seinen stillen Frieden,

Den des Schicksals rauhe Hand ihm nahm.


Ruhig schlummernd liegen alle Wesen,

Feiernd schließet sich das Heiligtum,

Tiefe Stille herrscht im weiten Reiche,

Alles schweigt im öden Kreis herum.


Und der Mond schwebt hoch am klaren Äther,

Geußt sein sanftes Silberlicht herab;

Und die Sternlein funkeln in der Ferne

Schau'nd herab auf Leben und auf Grab.


Willkommen Mond, willkommen sanfter Bote

Der Ruhe in dem rauhen Erdental,

Verkündiger von Gottes Lieb und Gnade,

Des Schirmers in Gefahr und Mühesal.


Willkommen Sterne, seid gegrüßt ihr Zeugen

Der Allmacht Gottes der die Welten lenkt,

Der unter allen Myriaden Wesen

Auch meiner voll von Lieb' und Gnade denkt.


Ja, heil'ger Gott, du bist der Herr der Welten,

Du hast den Sonnenball emporgetürmt,

Hast den Planeten ihre Bahn bezeichnet,

Du bist es, der das All mit Allmacht schirmt.


Unendlicher, den keine Räume fassen,

Erhabener, den Keines Geist begreift,

Allgütiger, den alle Welten preisen,

Erbarmender, der Sündern Gnade beut!


Erlöse gnädig uns von allem Übel,

Vergib uns liebend jede Missetat,

Laß wandeln uns auf deines Sohnes Wege,

Und siegen über Tod und über Grab.



Der besten Mutter


Gebadet in des Meeres blauer Fluth

Erhebt aus purpurrothem Osten sich

Das prächtig-strahlende Gestirn des Tags,

Erweckt, gleich einem mächt’gen Zauberwort,

Das Leben der entschlafenen Natur,

Von der der Nebel wie ein Opferrauch

Empor zum unermess’nen Aether steigt.

Der Berge Zinnen brennen in dem Strahl

Vor welchem, wie vom flammenden Altar,

Der Rauch des finstren Waldgebirges wallt –

Und fernhin in des Ocean’s Fluthen weicht

Die Nacht. So stieg auch uns ein schöner Tag

Vom Aether, der noch oft mit frohem Strahl

Im leichten Tanz der Horen grüßen mag

Den frohen Kreis, der den Allmächt’gen heut

Mit lautem Danke preist, da gnädig er,

Uns wieder feiern läßt den schönen Tag,

Der uns die beste aller Mütter gab.

Auch heute wieder in der üppigsten

Gesundheit, Jugend-Fülle, steht sie froh

Im frohen Kreis der Kinder, denen sie

Voll zarter Mutterlieb’ ihr Leben weiht.

O! stieg noch oft der Liebe Genius

An diesem schönen Tag zu uns herab

Ihn schmückend mit dem holden Blumenpaar

Der Kinderliebe und der Zärtlichkeit! –