RINCK, Monika



Das phüh


da ist der innigste wind, der zu einer brücke sich krümmt

über die das phüh in begleitung von sylphen hinweggeht

so sanft ist noch nie ein molekül in bewegung geraten

so weich hat sich noch keine einzige welle gebreitet, gelüpft

und wieder gesenkt in ihr mikroskopisches tal, zusammen

getan hat sich die luft zu einem bogen mit anfang und ende

den man sehen könnte, wenn man ohne schwere wäre wie du.

so hat noch keiner die codierten welten der vögel verstanden

nicht ihre schreie, ihr tirili und das tschilpen nicht, auch nicht

das trockene rascheln der federn bei landung, wut oder rast

sondern das, was die antwort der luft auf die frage ihres fluges ist.

eine konsonantenschwebe, ein luftzug um ein ü gehegt, ein wirbel

eine spur, ein verstecktes phüh das zwischen ihren flügeln lebt.



es war vorbei


es war vorbei – der sommer war es sicherlich

die sonne kannte nur noch gegensätze

und wo sie fort war war sie fort.

ab sonntag deutlich kühler, aber

jetzt noch nicht – was für ein licht

das uns verlängerte und die fassaden

in den rechten winkel brachte, harte schatten

geometrisches – ein enggeschnürtes päckchen

war die summe dieses sommers – warte doch

herr doktor benn fegt eben noch

die fetten rosen hin –