GROTH, Klaus




Min Modersprak (Niederdeutsch)


Min Modersprak, wa klingst du schön!

Wa büst du mi vertrut!

Weer ok min Hart as Stahl un Steen,

Du drevst den Stolt herut.


Du bögst min stiwe Nack so licht

As Moder mit ęrn Arm,

Du fichelst mi umt' Angesicht

Un still is alle Larm.


Ik föhl mi as en lüttjet Kind,

De ganze Welt is weg.

Du pust mi as en Vœrjahrswind

De kranke Boss torecht.


Min Obbe folt mi noch de Hann'

Un seggt to mi: Nu bę!

Un «Vaderunser» fang ik an,

As ik wul fröher dę.


Un föhl so deep: dat ward verstan,

So sprickt dat Hart sik ut.

Un Rau vunn Himmel weiht mi an

Un Allns is wedder gut!


Min Modersprak, so slicht un recht,

Du ole frame Ręd!

Wenn blot en Mund «min Vader» seggt,

So klingt mi't as en Będ.


So herrli klingt mi keen Musik

Un singt keen Nachtigall;

Mi lopt je glik in Ogenblick

De hellen Thran hendal.



Muttersprache


Meine Muttersprache, wie klingst du schön!

Wie bist du mir vertraut!

Wär' auch mein Herz wie Stahl und Stein,

Du triebst den Stolz heraus.


Du beugst meinen starren Nacken so leicht,

Wie Mutter mit ihrem Arm,

Du kosest mir ums Angesicht

Und still ist aller Lärm.


Ich fühle mich wie ein kleines Kind,

Die ganze Welt ist fort.

Du hauchst mir wie ein Frühlingswind

Die kranke Brust gesund.


Mein Ope faltet mir noch die Händel

Und sagt zu mir: Nun bete!

Und »Vaterunser« fang' ich an,

Wie ich's wol früher that.


Und fühle tief: das wird verstanden,

So spricht das Herz sich aus,

Und Ruhe vom Himmel weht mich an,

Und Alles ist wieder gut.


O Muttersprache, schlicht und recht,

Du alte sanfte Rede!

Wenn bloß ein Mund »min Vader«! sagt,

So klingt mir's wie Gebet (und Bitte).


So herrlich klingt mir keine Musik,

Singt keine Nachtigall,

Mir fließen ja sogleich (im Augenblick)

Die hellen Thränen nieder.





Das Dorf im Schnee


Still, wie unterm warmen Dach,

Liegt das Dorf im weißen Schnee;

In den Erlen schläft der Bach,

Unterm Eis der blanke See.


Weiden steh'n im weißen Haar,

Spiegeln sich in starrer Flut;

Alles ruhig, kalt und klar

Wie der Tod der ewig ruht.


Weit, so weit das Auge sieht,

keinen Ton vernimmt das Ohr;

Blau zum blauen Himmel zieht

Sacht der Rauch vom Schnee empor.


Möchte schlafen wie der Baum,

Ohne Lust und ohne Schmerz;

Doch der Rauch zieht wie im Traum

Still nach Haus mein Herz.


Regenlied


Walle, Regen, walle nieder,

Wecke mir die Träume wieder,

Die ich in der Kindheit träumte,

Wenn das Nass im Sande schäumte !


Wenn die matte Sommerschwüle

Lässig stritt mit frischer Kühle,

Und die blanken Blätter tauten,

Und die Saaten dunkler blauten.


Welche Wonne, in dem Fließen

Dann zu stehn mit nackten Füßen,

An dem Grase hin zu streifen

und den Schaum mit Händen greifen.


Oder mit den heißen Wangen

Kalte Tropfen aufzufangen,

Und den neuerwachten Düften

Seine Kinderbrust zu lüften!


Wie die Kelche, die da troffen,

Stand die Seele atmend offen,

Wie die Blumen düftertrunken,

In dem Himmelstau versunken.


Schauernd kühlte jeder Tropfen

Tief bis an des Herzens Klopfen,

Und der Schöpfung heilig Weben

Drang bis ins verborgne Leben.


Walle, Regen, walle nieder,

Wecke meine alten Lieder,

Die wir in der Türe sangen,

Wenn die Tropfen draußen klangen!


Möchte ihnen wieder lauschen,

Ihrem süßen, feuchten Rauschen,

Meine Seele sanft betauen

Mit dem frommen Kindergrauen.


Abendfreden


De Welt is rein so sachen,

as leg se deep in Drom,

man hört ni weenn noch lachen,

se's lisen as en Bom.


Se snackt man mank de Bloeder,

as snack en Kind in Slap,

dat sünd de Weegenleder

voer Köh un stille Schap.


Nu liggt dat Dörp in Dunkeln,

un Newel hangt dervoer,

man hört man eben munkeln,

as keem't vun Minschen her.


Man hört dat Veh int Grasen,

un allens is in Fred,

sogar en schüchtern Hasen

sleep mi voer de Föt.


Das wul de Himmelsfreden

ahn Larm un Strit un Spott,

dat is en Tid tum Beden –

Hör mi, du frame Gott!



Manchmal schießt am blauen Bogen

Manchmal schießt am blauen Bogen

Schnell ein Stern in nach hinein,

Und die Bahn, die er gezogen,

Leuchtet nach in mattem Schein.


Ähnlich flogst du raschen Falles

Als ein Stern durch meine Nacht,

Und ein lichter Streif war alles,

Was mir blieb von deiner Pracht.



O wüßt' ich doch den Weg zurück,

O wüßt' ich doch den Weg zurück,

den lieben Weg zum Kinderland!

O warum sucht ich nach dem Glück

und ließ der Mutter Hand?


O wie mich sehnet auszuruhn,

von keinem Streben aufgeweckt,

die müden Augen zuzutun,

von Liebe sanft bedeckt!


Und nichts zu forschen, nichts zu spähn

und nur noch träumen leicht und lind;

der Zeiten Wandel nicht zu sehn,

zum zweitenmal ein Kind!


O zeigt mir doch den Weg zurück,

den lieben Weg zum Kinderland!

Vergebens such' ich nach dem Glück,

ringsum ist öder Strand.