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HUCH, Ricarda


Liebesreime XXI.


Tief ist der Abgrund, der uns trennt,

Du darfst den kühnen Sprung nicht wagen;

Kein einzig Wort darf ich dir sagen,

Wie sehr mein Herz nach deinem brennt.

Nur neige dich ein wenig noch,

Dann schau' ich deine Augen doch,

Ob sie auch braun noch sind wie einst,

Seit du so viele Tränen weinst.


Die letzte Nacht

Schon senkt sich still die letzte Liebesnacht,

Ein schöner Dämon mit besternten Schwingen;

Sie nimmt uns auf und trägt uns schwebend sacht

Durch alle Himmel, die gelind erklingen.

Verlaß uns nicht! Der Tag ist nicht mehr weit,

Sein Goldroß steigt herauf im dumpfen Trabe --

O nimm uns mit ins Meer Vergangenheit,

Daß es mit dir auf ewig uns begrabe.


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Noch einmal dem Nichts entstiegen,

Noch einmal aus Flammen neu,

Seh ich dich im Morgen liegen,

Schöne Welt, dem Treuen treu.

Komm, begegne meinem Hoffen,

Gib an Lust und Schmerz mein Teil,

Gläubig steht mein Busen offen

Deinem Blitz und Todespfeil.



Wo hast du all die Schönheit hergenommen

Wo hast du all die Schönheit hergenommen

Du Liebesangesicht, du Wohlgestalt!

Um dich ist alle Welt zu kurz gekommen.

Weil du die Jugend hast, wird alles alt,

Weil du das Leben hast, muß alles sterben,

Weil du die Kraft hast, ist die Welt kein Hort,

Weil du vollkommen bist, ist sie ein Scherben,

Weil du der Himmel bist, gibts keinen dort!