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PRERADOVIC, Paula von


Die wandernden Straßen


Schlimmer als der Trümmer Schutt und Sand,

Als die aufgeborstnen, kahlen Zimmer

Hoch in fernem Stockwerk, wo noch immer

Bilder hängen an zerbrochner Wand:


Schlimmer ist die fahle Menschenflut,

Übers Pflaster wandernd viele Meilen,

Ferne Mühsalsziele zu ereilen,

Hinkend, schleppend mit dem letzten Mut.


Hergespült aus schwarzer Drangsal Schoß,

Schleichen sie entlang an den Ruinen,

An den Gräbern, den zerrissnen Schienen,

Arm, verseucht, geschändet, heimatlos.


Eingefallner Mund, gespensterweiß,

Schauerliche, nackte Schläfenknochen,

Blicke, leidergeben und gebrochen,

Hassend, hungrig, müde, fieberheiß.


Schwarzer Vögel nächtiges Gefleuch

Flattert ob den magern Angesichtern.

Macht-Dämonen, flieht vor euren Richtern!

Diese Angesichter richten euch.


Land der Berge

Land der Berge, Land am Strome,

Land der Äcker, Land der Dome,

Land der Hämmer, zukunftsreich!

Heimat großer Töchter und Söhne,

Volk, begnadet für das Schöne,

|: Vielgerühmtes Österreich! :|


Heiß umfehdet, wild umstritten,

Liegst dem Erdteil du inmitten

Einem starken Herzen gleich.

Hast seit frühen Ahnentagen

Hoher Sendung Last getragen,

|: Vielgeprüftes Österreich. :|


Mutig in die neuen Zeiten,

Frei und gläubig sieh uns schreiten,

Arbeitsfroh und hoffnungsreich.

Einig lass in Jubelchören,

Vaterland, dir Treue schwören.

|: Vielgeliebtes Österreich