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BIERMANN, Wolf



Das Hölderlin-Lied

So kam ich unter die Deutschen

In diesem Lande leben wir
wie Fremdlinge im eigenen Haus
Die eigene Sprache, wie sie uns
entgegenschlägt, verstehen wir nicht
noch verstehen, was wir sagen
die unsre Sprache sprechen
In diesem Lande leben wir wie Fremdlinge
In diesem Lande leben wir
wie Fremdlinge im eigenen Haus

Durch die zugenagelten Fenster dringt nichts
nicht wie gut das ist, wenn draußen regnet
noch des Windes übertriebene Nachricht
vom Sturm
In diesem Lande leben wir wie Fremdlinge

In diesem Lande leben wir
wie Fremdlinge im eigenen Haus
Ausgebrannt sind die Öfen der Revolution
früherer Feuer Asche liegt uns auf den Lippen
kälter, immer kältre Kälten sinken in uns
Über uns ist hereingebrochen
solcher Friede!
solcher Friede
Solcher Friede.



Lied Vom Donnernden Leben


Das kann doch nicht alles gewesn sein

Das bißchen Sonntag und Kinderschrein

das muß doch noch irgendwo hin gehn

hin gehn


Die Überstunden, das bißehen Kies

Und aabns inner Glotze das Paradies

da in kann ich doch keinen Sinn sehn

Sinn sehn


Das kann doch nich alles gewesn sein

Da muß doch noch irgend was kommen! nein

da muß doch noch Leebn ins Leebn

eebn


He, Kumpel, wo bleibt da im Ernst mein Spaß?

Nur Schaffn und Raffn und Hustn und Haß

und dann noch den Löffl abgebn

gebn


Das soll nun alles gewesn sein

Das bißchen Fußball und Führerschein

das war nun das donnernde Leebn

Leebn


Ich will noch’n bißehen was Blaues sehn

Und will noch paar eckige Rundn drehn

und dann erst den Löffel abgebn

eebn