POLITYCKI, Matthias
Tankwart, das Lied vom Volltanken singend
Ist doch
ziemlich egal, ob du einer vond denen bist –
einer der lausigen Lichthupenfürsten,
die (mit ’ner Beifahreloge in blond)
hier ihren Unterarm raushängen müssen…
Ist doch
ziemlich egal, ob du einer vond enen bist,
die (mit ‘ner schönen Bescherung zur Rechten
und auch drei schreiende Schrazen im fond)
vollauf beschäftigt sind, Chips ranzuschaffen…
Ist doch
ziemlich egal, ob du hier deine Mühle mal
volltanken lässt, denn schon Morgen, da hab ich
wieder komplett den Tag frei and da steig ich, ihr
windigen Manta- und Mazda-Rummurkser, ihr
hochwürd’gen Audi- und Volvo-Schnarchsäcke, steig
in meinen Turbo-Metallic und dann: nix wie
weg! Mann, die Kurven gekratzt…
Touristen
Immer sitzen sie vor den falschen Cafés
und warten auf die große Fremde,
immer finden sie alles zu teuer,
immer, im Vergleich zum Prospekt, enttäuschend:
Man kann’s ihnen einfach nicht recht machen.
Immer sind es ihrer zu viele
und reich gesegnet obendrein mit Socken,
immer stellen sie die gleichen Fragen,
immer versichern sie einander der gleichen Antworten:
Sie können’s uns einfach nicht recht machen.
Ein gewisser Eichendorff
bläst den Blues von der
prästabilisierten Harmonie
Nehmt ihn hin, den Duft des Morgens
eurer fast verschlafnen Tage.,
Nehmt den halbzerbrochnen Spiegel
Einer Marmorwelt. Die Klage
längstverträumter Zeiten dämmert
euch im Dunst des Morgentaus,
schimmert aus der nie geschauten
Ferne, will mit Kraft heraus
aus dem Netz der Strassen, Gassen,
durch die Tore, über Treppen,
will den Himmel selber sehen. –
Doch ihr könnt euch wenden, drehen:
seid gefangen, selbst im Rausch,
sehnet euch nach Brunnenrand
mit noch unverlöschtern Spiegel
und darin dem Himmelsband.
Fast eine Romanze
Nie werd´ ich wissen, wie du wirklich heißt,
wie du wohl lächeln würdest, wenn ich sagte,
dass ich mich schier nicht mehr zu regen wagte,
als du den Raum betratst, ich saß wie hingeschweißt,
sah, wie du rauchst und trinkst, das Haar wegstreichst
und eine SMS schreibst, schließlich gehst
und neben meinem Tisch dann plötzlich stehst
und dort erst deine Rechnung schnell begleichst
und wie dein Blick, ganz ohne innre Glut,
sich jäh verhakt und kurz in meinem ruht –
schon seh ich dich von hinten, seh den Hut
aus Stroh, das Sommerkleid, darum ein Band
in Dunkelblau, ein letztes Unterpfand
von dir, tief in den Nachmittag gebrannt.µ
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In jedem Mond steht steil ein Stöckelschuh.
Aus jedem U-Bahn-Schacht rülpst ein Gedicht.
Durch jede Zeile, da fließt du und du und du –
ein grüner Tintentext: mehr nicht.
In jeder Pfanne brät ein Kruzifix.
Aus jedem Pflasterstein grinst ein Gesicht.
Mit jedem Wort schweigst du und du und du –
ein schwarzgedruckter Text: mehr nicht.