GRILLPARZER, Franz


Sehnsucht nach Liebe


Alles liebet, alles scherzet

In der fröhlichen Natur;

Alles küsset, alles herzet

Auf den Höhn, in Wald und Flur!


Lässt der holde Lenz sich nieder,

Sanft umschwärmt vom lauen West,

Senkt der Vogel sein Gefieder,

Bauet liebend sich ein Nest.


Und der Löwe flieht das Morden,

Das sonst höchste Lust ihm schafft;

Er verlässt der Brüder Horden,

Huldigt Amors Zauberkraft.


Und dir soll ich mich entziehen,

Die uns menschlich fühlen lehrt?

Liebe! ach, dich soll ich fliehen,

Die der Tiger selbst verehrt?


Ich allein nur soll dich meiden,

Holde Spenderin der Lust?

Ich soll wilde Tiere neiden

Um das Fühlen ihrer Brust?


Nein! dem schönsten aller Triebe

Sei mein fühlend Herz geweiht!

Schenke mir Themirens Liebe,

Amor, Gott der Zärtlichkeit!


Und dir soll ich mich entziehen,

Die uns menschlich fühlen lehrt?

Liebe! ach, dich soll ich fliehen,

Die der Tiger selbst verehrt?


Ich allein nur soll dich meiden,

Holde Spenderin der Lust?

Ich soll wilde Tiere neiden

Um das Fühlen ihrer Brust?


Nein! dem schönsten aller Triebe

Sei mein fühlend Herz geweiht!

Schenke mir Themirens Liebe,

Amor, Gott der Zärtlichkeit!G



Erinnerungen an Beethoven


Es geht ein Mann mit raschem Schritt, –

Nun freilich geht sein Schatten mit –

Er geht durch Dickicht, Feld und Korn,

Und all sein Streben ist nach vorn;

Ein Strom will hemmen seinen Mut,

Er stürzt hinein und teilt die Flut;

Am andern Ufer steigt er auf,

Setzt fort den unbezwungnen Lauf.

Nun an der Klippe angelangt,

Holt weit er aus, daß jedem bangt,

Ein Sprung – und sieh da, unverletzt

Hat er den Abgrund übersetzt. –

Was andern schwer, ist ihm ein Spiel,

Als Sieger steht er schon am Ziel;

Nur hat er keinen Weg gebahnt.

Der Mann mich an Beethoven mahnt.



Entsagung


Eins ist, was altergraue Zeiten lehren,
Und lehrt die Sonne, die erst heut getagt:
Des Menschen ewges Los, es heißt: entbehren,
Und kein Besitz, als den du dir versagt.

Die Speise, so erquicklich deinem Munde,
Beim frohen Fest genippter Götterwein,
Des Teuren Kuß auf deinem heißen Munde,
Dein wärs? Sieh zu! ob du vielmehr nicht sein.

Denn, der Natur alther notwendge Mächte,
Sie hassen, was sich freie Bahnen zieht,
Als vorenthalten ihrem ewgen Rechte,
Und reißens lauernd in ihr Machtgebiet.

All, was du hältst, davon bist du gehalten,
Und wo du herrschest, bist du auch der Knecht,
Es sieht Genuß sich vom Bedarf gespalten,
Und eine Pflicht knüpft sich an jedes Recht.

Nur was du abweist, kann dir wieder kommen.
Was du verschmähst, naht ewig schmeichelnd sich,
Und in dem Abschied, vom Besitz genommen,
Erhältst du dir das einzig deine: Dich!