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KOEPPEN, Wolfgang



Das Treibhaus

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Emilia erschrak, stolperte und wäre, nun auch noch von dem strengen Ammoniakdunst und Teergeruch benommen, mit dem schweren Plaid, dem lustigen komischen Plaid der Karikaturisten beinahe gegen die urinierenden Rücken gefallen, die Rücken, über die sich ihr Köpfe zuwandten, sinnend ins Leere gerichtete Augen, einfältige Gesichter, die langsam den Ausdruck des Staunens annahmen. Messalina hatte von dem erspähten Opfer nicht gelassen; sie hatte ihr Taxi verabschiedet, das Mietsauto, das sie zum Friseur bringen sollte, zum Bleichen und Aufplustern der Haare: nun wartete sie vor der Retirade.

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Er hatte Carla nicht glücklich gemacht. Er hatte versagt. Sie waren in Gefahr. Wie sollte Washington es sagen? Wie konnte er sagen, was er fürchtete? Doktor Frahm war widerwillig in den Korridor getreten. Das Behandlungszimmer wurde gesäubert. Die Tür stand offen. Eine Frau wischte mit einem feuchten Tuch über den Linoleumbelag des Bodens. Das feuchte Tuch fuhr über die weißen Beine des großen Untersuchungsstuhles. Doktor Frahm war beim Essen gestört worden. Er war vom Tisch aufgestanden. Er hielt eine weiße Serviette in der Hand. Auf der Serviette war ein frischer roter Fleck: Wein. Ein Geruch von Karbol drang aus dem Behandlungszimmer, ein alter Wundreinigungsdunst wurde von der Frau, die das Zimmer wischte, in die Luft gescheucht. Wie sollte Washington es dem Arzt sagen?

Carla war hier gewesen. Doktor Frahm sagte es. Er sagte, es sei alles in Ordnung. Was fehlte Carla dann? Warum war sie hier gewesen, wenn alles in Ordnung war? »Eine kleine Störung«, sagte Frahm. Bahnte sich hier Ärger an?

Das war er also, der schwarze Vater. Ein schöner Mann, wenn man sich an die Haut gewöhnte.
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