BEYER, Marcel



Die ungeputzten Zähne


Schlaf, wo ich nicht geschlafen habe. So viele Hände am

Griff, am Becken, und was darunter war. So schwacher

Atem bald, kein Schlaf. Was hätte sein dürfen, was

sollen, was zwischen meinen Zähnen bleibt, wonach

es schmeckt. Schlaf der Entbrannten, der Erwachten.


Was Regenvorhang, fremder Staub und Spucke, was

halber Schnee bis in das Hemd. So viele Hände auf dem

Küchentisch, am Fenster, kein Schlaf. Was fremdes Fett

am Heizkörper, am Herd, so klares Dunkel und was hätte

schlafen sollen. So laufe ich im Schneeregen, im Januar

mit wieder ungeputzten Zähnen, wo ich nicht geschlafen habe.



Raps


Auf einer leeren Landstraße sitzt du am Mittag hinterm

Steuer, zwei polnische Sender wechseln sich ab, in

dir spricht nichts, du meinst schon bald, du bist ganz

ohne Wörter aufgewachsen, und dann das: Raps,

hart gezeichnet, klare Linie, gestreute, dichte Rapsarbeit,

das Feld läuft an, das Bild läuft voll mit Raps, Raps

bis zur Kante, bis zum Haaransatz, randvoll mit Raps,

Rapsaugen, Rapskopf, Rapsgeräusche, kein Presszeug,

keine Margarine, nichts als Raps.